Naturkatastrophen und Rückversicherungen
Die Schaden-Kostenquoten der grossen Rückversicherer wurden durch die Naturereignisse und die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko belastet.
Klima- und aussergewöhnliche Naturkatastrophen, wie die Erdbeben in Chile und Haiti, die Überschwemmungen in Frankreich und Europa oder die vom Menschen verursachten Katastrophen, wie Deepwater im Golf von Mexiko, verursachten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Schäden in Höhe von schätzungsweise 70 Milliarden USD (CHF 73,8 Mrd.).
Nach den Schätzungen des internationalen Rückversicherers Munich Re entfallen 22 Milliarden USD (CHF 23,2 Mrd.) auf die Versicherungsgesellschaften. Dies entspricht einer Schadenshöhe, die über dem Doppelten des seit dem Jahr 2000 beobachteten Durchschnitts liegt, und dies allein im ersten Halbjahr 2010 (L'Agefi).
Auf Swiss Re, der zweite internationale Rückversicherer, entfällt ein Kostenanteil von über einer Milliarde USD (CHF 1,05 Mrd.).
Diese Schadensfälle belasten die Konten der wichtigsten Rückversicherer stark.
Ihre Schaden-Kosten-Quote, der Index für die Rentabilität der Geschäftstätigkeit, ist das Verhältnis zwischen den Aufwendungen für Schäden und den Prämieneinnahmen. Eine Schaden-Kosten-Quote über 100 % bedeutet, dass Verluste gemacht werden (Le Temps, Swiss Re).
Die Schaden-Kosten-Quote bei Munich Re, die bei 97,9 % lag, kletterte im ersten Halbjahr 2010 auf 106,4 % (Munich Re), während diese bei Swiss Re 2009 bei 88,3 % lag und im selben Zeitraum auf 102 % stieg.
Dagegen weist das Kapitalanlageergebnis solide Gewinne auf. Damit konnte das Eigenkapital zur allgemeinen Beruhigung der Geschäftsleitung heraufgesetzt werden konnte.
Auerdem zeigen eine Politik der Zurückhaltung bei Neuverträgen und bestehenden Verträgen, die Anpassung des Risikoportefeuilles, eine konservative Haltung, bei der grösseres Gewicht auf die Margen als auf Wachstum und Erhaltung der Rentabilität gelegt wird, tendenziell, dass "alles unter Kontrolle" ist.
Das zweite Halbjahr hat jedoch mit Grossschäden begonnen, wie den Bränden in Russland und der Überschwemmung in Pakistan. Die Kosten dieser Katastrophen belaufen sich pro Ereignis jetzt schon auf eine geschätzte Höhe von 15 Milliarden USD (CHF 15,5 Mrd.) (TdG). Zudem ist festzustellen, dass die Zeit der Hurrikans im Atlantik bevorsteht, die sich in den nächsten Wochen verschärfen werden.
Diese Tatsachen schliessen andere unwägbare Risiken im Rahmen des Wirtschaftswachstums und der Finanzmärkte nicht aus, wodurch die Zukunftsperspektiven noch ungewisser werden.
Hinzu kommt der Parallelmarkt, der Markt der Cat-Bonds oder Katastrophenanleihen, die von privaten, institutionellen oder auch staatlichen Investoren gezeichnet wurden und im ersten Halbjahr 2010 von Versicherungs- und/oder Rückversicherungsgesellschaften emittiert und in Höhe von 2,35 Milliarden USD (CHF 2,48 Mrd.) gezeichnet wurden (Advisen).
Für Investoren sind diese Katastrophenanleihen ein Mittel zur Optimierung ihres Portefeuilles und für die Emittenten eine Reduzierung ihres Risikos durch eine Transferlösung.
Quellen:
· L’Agefi, « Six mois lourds en catastrophes », 04.08.2010.
· Le Temps, « SwissRe se redresse mais dépeint un environnement difficile », Emmanuel Garessus, 06.08.2010.
· Swiss RE, Media informations
· Munich Re, Pressemitteilung, 1. Halbjahr, 04.08.2010
· Advisen/Business Wire, Catastrophe Bond Issuance Surges, Guy Carpenter, 09.09.2010.
· Tribune de Genève, “Les réassureurs misent sur les catastrophes naturelles”, Frédéric Vormus, 19.08.2010.
· Reuters/Insurance Journal, « European Insurer Groups Weather Storm », 05.08.2010